Freitag, 13. Mai 2016

DIE WANDERER

"Die Wanderer" is a new concert project featuring unkown pieces by Salomon Sulzer. The project - building bridges between classic Viennese and traditional Jewish music, and between Palestinian, Jewish and International musicians - refers to a well known song written by Franz Schubert and world premiered by cantor Salomon Sulzer in the early 19th century. 

Project "Die Wanderer"


Salomon Sulzer, the Hohenems born chief cantor of the Vienna main synagogue after 1826, was  famous for his fantastic baritone voice. Artists like Franz Liszt, Giacomo Meyerbeer, Robert Schumann and Niccolo Paganini travelled to Vienna only to hear him and praised his exceptional voice and performance. But Salomon Sulzer was also an important composer of his period and the mentor of modern cantorial music.
Bust of Salomon Sulzer

The project has been developed by the Jewish Museum Hohehenems in cooperation with K und K Wien - agency for artists and international projects, and will be presented in partnership with the Hamakom Nestroyhof Theatre in Vienna and the Austrian Hospice in the Old City of Jerusalem. 

The aim of the organizers is to revive Salomon Sulzer's wonderful creations and to present them to a wider audience. The concerts which will take place in Hohenems, Vienna and Jerusalem will involve an ensemble of Austrian, Canadian, Finnish, German and Israeli musicians as well as four extremely gifted young Palestinian voice students.

Rehearsals at the Austrian Hospice in Jerusalem

Rehearsals started in Jerusalem in March 2016 at the Austrian Hospice Academy where the four impressive Palestinian talents were coached by Austrian alto Veronika Dünser and pianist Karl Kronthaler.  
Musical director of the program is Prof.  Lorne Richstone, a prestigious expert in his field who has rediscovered and edited much of Salomon Sulzer’s repertoire. 

Prof. Lorne Richstone

Among the presented pieces are also creations of Salomon Sulzer's sons, Joseph and Julius Sulzer, both renowned artists and composers in Vienna and abroad at their time. Joseph Sulzer was a demanded violoncellist. A selection of his compositions which are unheard in today's music world will be presented by Finnish cellist Liina Leijala.

Liina Leijala
  
Salomon Sulzer was known to be a friend of Franz Schubert. He not only world premiered a big number of Franz Schubert's pieces for baritone, the two composer friends set the same poems to music and quoted each other musically in their creations. Art songs will therefore be a big part of the program interpreted by soprano Shira Karmon.

Shira Karmon
"Die Wanderer" (German for "The Wayfarers") will be performed for the first time at the Salomon Sulzer Hall, a former synagogue in Sulzer's birthtown Hohenems, on June 25th 2016.
The second concert will take  place at the Hamakom Theatre, a historic artdecco building and former Jewish Theatre of Vienna on June 28th 2016. A third performance is planned in Jerusalem in autumn 2016. And hopefully this rediscovery of Sulzer repertoire will lead to more concert performances around the world....


Links to the project and organizing partners:
Links to participating artists:

More information about Salomon Sulzer:

The project is supported by the Cultural Section of the Gouvernment of Vorarlberg.
The organizers still look for sponsors to realize future performances in different locations. Interested donators are able to support the unique artistic project through an amount from 10 EUR to 100 EUR on the following site: 
 
If you would like to support the project through an individual amount or a bank transfer, the Wanderer-Team would be greatful if you would please kindly send your donation to the following bank account of the Jewish Museum Hohenems:

IBAN: At732060200200049971 - BIC: DOSPAT2D - Purpose: "Die Wanderer"



P.R.Klose, Vienna, May 2016



Mittwoch, 10. Februar 2016

MASAAR HUBB - PATH OF LOVE

Oud und Cembalo, eine höchst seltene, eigenwillige Kombination. Und doch überraschen und begegnen sich diese beiden Instrumente in einem reizvoll faszinierenden musikalischen Dialog, der uns in andalusische Duftgärten und zu arabischen Wüstenschlössern lockt, aber auch in die barocken Klangwelten von Johann Sebastian Bach und Francois Couperin eintauchen lässt.

Paul Gulda und Marwan Abado

Der in einem Flüchtlingslager im Libanon geborene palästinensische Musiker Marwan Abado, ist heute ein international tätiger Oud-Spieler und Komponist, der immer wieder den Brückenschlag zwischen Orient und Okzident sucht.    K und K Wien sprach mit dem in Wien lebenden Künstler über «Masaar Hubb - Path of Love«, ein außergewöhnliches neues Duo-Programm, das er gemeinsam mit dem renommierten Pianisten Paul Gulda entwickelt und kürzlich auch auf CD präsentiert hat.

Wie entstand die Idee zu "Path of Love“?

Marwan Abado: Die Idee von “Path of Love” entstand durch die gemeinsamen musikalischen Auftritte mit meinem Kollegen und Freund Paul Gulda. Die ersten Duo-Konzerte trugen den Titel “Von Bach bis Beirut”, ein lustiger Titel, der uns allerdings musikalisch ein wenig einengte. Unsere Musik, hat eher einen kammermusikalischen Klang, der von unserem jeweiligen ganz persönlichen Stil geprägt wird und von Hingebung, Leidenschaft sowie gegenseitigem Respekt getragen wird. So begann unsere Reise auf dem Pfad der Liebe durch unsere vielfältigen musikalischen Welten.

Könnten Sie uns ein wenig über Ihre Inspirationen zu den neuen Kompositionen erzählen?

Marwan Abado: Cembalo und Oud sind selten in Kombination anzutreffen. Der harmonische Klang beider Instrumente, wo zuweilen beim Zuhören nicht schnell erkennbar ist, welches Instrument jetzt spielt, motivierte uns musikalisch sehr. Das erste Konzert fand in einer Kappelle statt und ab dem Zeitpunkt war uns beiden klar: es wird eine lustige und lange Reise werden. Wir haben beide musikalische Kompositionen ausgewählt, die uns persönlich tief berühren und bei welchen wir das Gefühl hatten, der Klang des anderen Instruments fügt diesen Stücken eine neue inspirierende Dimension hinzu, das Cembalo verführt arabische Melodien in westliche polyphone Welten und die Oud “Bachische” Präludien in die orientalische Musikform.  

Wie sind die ersten gemeinsamen Proben zu jenen neuen Werken verlaufen, beziehungsweise wie darf man sich generell Ihr gemeinsames musikalisches Herantasten an neue Stücke vorstellen?

Marwan Abado: Das erste Kennenlernen, sowie die ersten Konzerte brachten viel Freude mit sich. Wir haben beide eine gegenseitige unaufhaltsame Neugier, die uns motiviert und inspiriert, neue musikalische Themen gemeinsam zu tragen. Inzwischen ist über das Herantasten eine musikalische Vertrautheit herangewachsen. Eine Art Musik, die schwer zu entmischen ist.

Paul Gulda und Marwan Abado

Wie würden Sie Ihre gemeinsame Klangsprache beschreiben?

Marwan Abado: Unsere Klangsprache hat reichlich viele Saiten. Der Klang dieser Saiten einmal zu verschmelzen und ein anderes mal zu trennen, verleiht unserer Klangsprache eine besondere Note.

Können Sie einige Worte zu den Texten sagen, die Sie ausgewählt beziehungsweise geschrieben haben?

Marwan Abado: Alle Texte beschreiben Wege der Liebe aus unterschiedlichen Perspektiven.  Zwei Texte sind von zwei Dichtern, die völlig konträr in der poetischen Sprache sind. Shawki Abi Shakra, ein libanesischer Surrealist, der Exil als Schifahren bezeichnet. Ali Ben Tamim, ein emiratischer klassischer Dichter, der über das Weitergehen Zuflucht vor Verbrennungen sucht. Ich persönlich besinge einen Traum, der auf seinen Träumer wartet und ein Regenlied, das Frieden für den Nahen Osten herbeiwünscht. 


Wer Lust bekommen hat, jene Klangträume und das unvergleichliche Zusammenspiel von arabischer Laute und Cembalo persönlich zu entdecken und dabei Marwan Abados und Paul Guldas einzigartigem musikalischem "Pfad der Liebe" zu folgen, dem empfehlen wir die soeben bei Gramola erschienene CD "Masaar Hubb - Path of Love". Über kommende Konzerttermine des Duos informieren wir Sie gerne über unseren Newsletter, den Sie mit einer kurzen Email an presse@kundkwien.com (Betreff: Newletter) abonnieren können.



"Path of Love" soeben erschieben bei Gramola Records

  

Weiterführende Links:



Fotos: Sylvia Grossmann


P.R.Klose, Wien, Februar 2016

Freitag, 15. Januar 2016

HAND IN HAND - EIN LIEDERABEND ENTSTEHT



Shakespeares Worte „Hand in hand, with fairy grace, we will sing and bless this place.“ waren das Motto eines Liederabends, den Kammersängerin Gabriele Fontana mit ihren Studenten des Instituts für Gesang und Musiktheater der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien am 14. Januar 2016 im zauberhaften Rahmen des alten Schönbrunner Schlosstheaters gestaltete.


Schönbrunner Schlosstheater


Im Jahr 2007 gewann die Wiener Musikhochschule die international renommierte österreichische Opern- und Konzertsängerin Gabriele Fontana als Professorin für Lied und Oratorium, wo sie seither nicht nur durch ihre höchst erfolgreichen Studienabgänger, sondern auch immer wieder durch außergewöhnliche, kreativ und gefühlvoll gestaltete Liederabende auf sich aufmerksam macht.

Wir sprachen mit Gabriele Fontana über Vorbereitungen und Stückauswahl und beobachteten die jungen Künstler bei ihren Proben und Auftritten im imperialen Ambiente jenes Theaters, das einst von Kaiserin Maria Theresia als eines der ersten Schlosstheater Europas erbaut wurde.
„Im Prinzip beginnen die Vorbereitungen mit meiner Planung im Kopf zu Beginn des Semesters, welches Repertoire für welchen Sänger das Passendste wäre. Dies ist abhängig von einem Grundthema wie in diesem Fall Shakespeare“, erklärt uns Gabriele Fontana. Sehr oft spielen aber natürlich auch praktische Gründe wie die Prüfungen und Wettbewerbe der einzelnen Studierenden eine Rolle bei der Planung und Organisation.

Anlässlich des 400. Todestags von William Shakespeare sollte sich dieses Mal alles um die Werke des größten Bühnendichters der Geschichte drehen. Und was lag näher, als für eine solche Veranstaltung, Studierende des benachbarten Max Reinhardt Seminars zur Mitwirkung einzuladen. Eine Premiere, die von Gabriele Fontana initiiert wurde.
In Folge ging es für Gabriele Fontana an die konkrete Konzeption des Abends: „Ich habe im gesamten Repertoire nach bekannten und unbekannteren Vertonungen geforscht - auch Duette und Ensemble-Vertonungen und in diesem Jahr auch nach Texten, die zum 1. Mal von Schauspielern des Max Reinhardt Seminars vorgetragen werden. Daraus ergibt sich dann ein Ablauf, der dramaturgisch auch zusammenpasst: zum Beispiel Richard Strauss‘ Ophelia Lieder gepaart mit dem Monolog der Gertrud über den Tod der Ophelia aus "Hamlet" und ein Duett: "Komm herbei Tod" aus "Was ihr wollt"!
Das Programm beinhaltet auch Werke der zeitgenössischen britischen Komponistin Cecilia McDowall. Auf die im deutschen Sprachraum leider noch nicht bekannte Komponistin, die durch ihre facettenreiche expressive Klangsprache besticht, wurde Gabriele Fontana durch ihre Kollegin und Studentin Nina Bernsteiner aufmerksam gemacht, welche Cecilia McDowell persönlich kennengelernt hatte. 

Die Beschreibung "Gesangsprofessorin" ist schlichtweg unzureichend, wenn man Gabriele Fontana bei den Proben mit ihren Studenten erlebt. Denn sie ist gleichzeitig Regisseurin, Sprachcoach, schafft es ihre Schützlinge pointiert zu korrigieren, zu motivieren, an Phrasierung, Farben und Dynamik zu arbeiten und dabei nie die Gesamtwirkung aus den Augen zu verlieren. Sensibel und ermutigend versteht sie die jungen Künstler aufzubauen. „Mach das so und sei überzeugt davon, bitte hab Vertrauen“ hört man sie in der Pause zu einer ihrer Studentinnen sagen“.   

KS Fontana gibt Anweisungen

Zur Seite steht Gabriele Fontana, der ebenso virtuose wie erfahrene Korrepetitor Mag.art. Dieter Paier, der die Sänger musikalisch begleitet und am Klavier mit einer Vielfalt an Stimmungen und musikalischen Bildern beeindruckt.   

Bühnenproben im Schlosstheater

Auch die Schauspieler werden eingewiesen, die Wirkung des Textes in verschiedenen Varianten ausprobiert und mit Unterstützung von Annett Matzke, einer Lehrenden des Max Reinhardt Seminars, in den künstlerischen Gesamtablauf integriert.

Die Aufregung und Konzentration wächst spürbar in Hinblick auf den kommenden Konzertabend.
Das Schönbrunner Schlosstheater diente über Jahrhunderte als Hausbühne der Habsburger. Aber auch Napoleon Bonaparte ließ hier für sich spielen. Einst dirigierten in diesem prachtvollen Theaterjuwel Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart ihre seither unsterblichen Werke und verschiedene Opern von Christoph Willibald Gluck wurden hier erstmals aufgeführt. An diesem Abend jedoch, gehört der historische Raum den jungen Sängern und Schauspielern.  

Es ist soweit. Das mächtige Tor zum Schloss Schönbrunn öffnet sich und Musikliebhaber, Universitätskollegen, Freunde und Familienmitglieder ziehen durch den in Mondlicht getauchten Vorhof des Schlosses hin zum kaiserlichen Theater.
Der Abend wird durch Vivaldis feierliches "Laudamus Te" eröffnet und schon erklingen die Worte Shakespeares, „Die ganze Welt ist Bühne“, beherzt und humorvoll vorgetragen durch den jungen Schweizer Schauspieler Yannick Schöbi.
Jerilyn Chou und Anna-Katharina Tonauer interpretieren beseelt und bewegend Vaughn Williams "It was a lover and his Lass" aus "Wie es Euch gefällt".



Jerilyn Chou und Anna-Katherina Tonauer


Die finnische Sopranistin Meeri Pulakka interpretiert zart und feinsinnig drei Lieder von Schubert, Iva Martincevic gibt strahlend "Flößt, mein Heiland" aus Bachs Weihnachtsoriatorium, während dessen Jerilyn Chous Stimme gleich einem Echo aus dem Hintergrund erklingt. 
Meeri Pulakka

Danach betritt der junge österreichische Bass Florian Köfler für drei Schubertlieder die Bühne, die er mit warmen Timbre und gut geführter Stimme zum Besten gibt. Ihm folgt Nina Bernsteiners versierte und lebhafte Performance einer Auswahl von Korngolds Shakespeare-Vertonungen.

Florian Köfler
 
Nina Bernsteiner

Hamlets Ophelia bestimmt den Beginn des zweiten Teils. Jerilyn Chou singt berührend und mit beachtlicher Klarheit in Aussprache und Ausdruck, die der Figur gewidmeten Lieder von Richard Strauss. Gebannt lauscht das Publikum der jungen Schauspielerin Clara Schulze-Wegener während ihres tragischen Monologs der Gertrud aus Hamlet, die das Ertrinken der jungen Ophelia beschreibt. Mit Cornelius‘ "Komm herbei, komm herbei, Tod!" schließen Iva Martincevic und Anna Katherina Tonauer stimmungsvoll den thematischen Block.

Jerilyn Chou

Gunyong Na begeistert mit kernigem Bariton und perfekter Diktion bei "Dein blaues Auge" und drei weiteren Brahmsliedern. Iva Martincevic gibt anmutig und ausdrucksstark Mahlers "Erinnerung" und "Wer hat dies Liedlein erdacht" aus "Des Knaben Wunderhorn". 

Gunyong Na

Iva Martincevic
 
Das musikalische Finale bilden die vier faszinierend und gleichzeitig rhytmisch und phrasierungstechnisch überaus fordernden Lieder von Cecilia McDowell, spannend und stimmlich briliant gemeistert von der jungen ungarischen Sopranistin Etelka Sellei. Für "What `tis to love" stößt die Querflötistin Kaja Lesnjak hinzu. 

 
Kaja Lesnjak, Dieter Paier und Etelka Sellei
 
Zuletzt springt Puck, dargestellt von der Schauspielerin Nélida Martinez, in die Mitte der Bühne und alle Beteiligten lauschen den letzten Worten aus Shakespeares Sommernachttraum. Pucks Aufforderung zum Beifall beantwortet das Publikum mit großer Begeisterung und heftigem Applaus.  

Pucks Monolog aus dem Sommernachtstraum

Manche der Künstler, sind bereits an mittelgroßen und großen Bühnen im In- und Ausland zu sehen, wie Sopranistin Nina Bernsteiner, die am Vortag gerade ihre Premiere als Polly in der Dreigroschenoper am Theater an der Wien feierte oder Bariton Gunyong Na, der demnächst unter Evelino Pido wieder an der Budapester Staatsoper zu hören ist.
Doch jede und jeder der Sänger begeisterte mit bereits unverkennbar eigenem Stil und einer hart erarbeiteten perfekten Einstudierung anspruchvollsten Repertoires. Kammersängerin Gabriele Fontana, Dieter Paier und alle Beteiligten haben im Schönbrunner Schlosstheater eindrucksvoll bewiesen, dass sich ihre Aufführung dieses überaus stimmigen Programms der Worte Shakespeares würdig erweist: „Hand in hand, with fairy grace, we will sing and bless this place“.   


P. R. Klose, Vienna, January 2016


Weiterführende Links:


Bildnachweise: 
"Schönbrunner Schlosstheater" credit to C. Cossa
"Meeri Pulakka" credit to Kurt Deutsch - RotArt
Alle anderen Bilder: credit to P. R. Klose - K und K Wien